Kooperation mit der Bauhaus-Universität: Der Mensch im Dazwischen
Was geschieht, wenn wir ein Gebäude betreten oder verlassen? Was erlebt der Mensch dabei, welche Rolle spielt die Architektur, welchen Einfluss hat die Technik? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Studenten der Bauhaus-Universität Weimar in Kooperation mit Siedle. Die Ergebnisse präsentiert das nun vorliegende Buch „Schwellenräume“. Das Modell zeigt einen der studentischen Entwürfe: Der Welcomebooth von Christian Müller reagiert auf die heutigen Bedürfnisse an Individualität, Kommunikation und Sicherheit. Foto: Tobias Adam.

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„Der Eingang ist immer weniger ein klar definiertes Raumelement, sondern eine komplexe Raumsequenz. Das Eintreten ereignet sich nicht in einem Moment, sondern als ein räumlich-zeitlicher Prozess. Entsprechend artikuliert sich die Schwelle nicht mehr als lineare Grenze zwischen Innen- und Außenraum in der Ebene der Fassade, sondern verwandelt sich zu einem „Schwellenraum“, der sowohl vor als auch hinter der Fassade liegen kann.“

Ilka u. Andreas Ruby, in der DETAIL zum Thema Eingänge, Ausgabe 11/2004

Bild: Der äußere Eingang der Versöhnungskapelle in Berlin; aus dem Schwellen-Rundgang mit Architekturtheoretiker Andreas Ruby. Peter Sassenroth und Rudolf Reitermann, 2000.
Die Architektur-Fakultät der Bauhaus-Universität in Weimar widmete dem Thema „Schwellenräume“ ein Seminar im Masterstudiengang. Darin untersuchten 25 angehende Architekten komplexe Fragen zur Schwelle:

Was ist eine architektonische Schwelle?
Wie kann ein Schwellenraum definiert werden?
Welche Aufgabe übernimmt der Schwellenraum beim Erschließen und Erleben von Architekturen?

Die Studenten analysierten zunächst reale Architekturen und entwarfen dann eigene Modelle für Schwellenräume. Siedle initiierte die Veranstaltung, gab Einblick in die Entwicklung und Produktion von Systemen für die Gebäudekommunikation und setzte sich mit den Entwürfen auseinander.

Foto: David von Becker.
Der Welcomebooth von Christian Müller ist ein Empfangsmöbel für den Wohnbau, das auf die heutigen Ansprüche an Individualität, Kommunikation und Sicherheit reagiert. Briefkasten und Klingel werden zum Raum. Über Bildschirme, die individuell bespielt werden, können Nachrichten hinterlassen werden. Die Fotokabine dient der Übertragung physischer oder virtueller Nachrichten oder als zusätzliche Sicherheitsbarriere („Schwellenräume“, Seite 73 ff.).

Illustrationen: Christian Müller
Der Schwellenraum von Ekaterina Galinka stellt einen inszenierten Zugang zu einem würfelartigen Ausstellungsraum bereit. Schlitze in der Außenwand bringen rhythmisch Licht ins Innere. Verstärkt wird dieser Effekt durch Verengungen; durch Modifikationen der Rauminnenseiten und der Decke: Es entsteht ein stufenartiger, trichterförmiger Raum („Schwellenräume“, Seite 52 ff.).

Foto: Tobias Adam
Der Mäander von Fanny Pirschel ist als räumliche Sequenz gedacht. Er folgt damit den räumlichen Konzeptionen Mies van der Rohes und dessen Raumkontinuum. Der Besucher wird mit Hilfe von Wandscheiben geführt und geleitet. Die Wandscheiben stehen zunächst nur locker in Beziehung zueinander und eröffnen mehrere Optionen. Je näher man der Schwelle kommt, desto geschlossener wird der Weg („Schwellenräume“, Seite 49 ff.).

Foto: Tobias Adam
Ein erstes Fazit ist: Jede Schwelle ist Kommunikation. Nicht erst durch eingebaute Technik, sondern durch ihre pure Existenz. Sie gibt vielfältige Signale, sie kann einladend sein oder abweisend, sie öffnet sich und das Gebäude, oder sie verschließt es. Das alles tut sie, ob wir es wollen, planen und gestalten oder nicht. Wir tun gut daran, die Sprache, die ein Eingang spricht, bewusst zu wählen.

Im Bild: Till Boettger, Professur Entwerfen und Raumgestaltung, und Peter Strobel, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Siedle.

Foto: David von Becker
„Von außen nach innen, von innen nach außen – immer führt dieser Weg, der bedeutendste, den die Architektur formulieren kann –, über eine Schwelle.“

Wolfgang Meisenheimer, Choreografie des architektonischen Raumes, 1998

Das Foto zeigt den Ausschnitt einer Präsentation von June 14, Johanna Meyer-Grohbrügge und Sam Chermayeff, zu ihrem Aufenthalt in Tokio (ARCH+ features 15): „Wir machten lustige Dinge wie etwa beim Schlafen die Türe zur Straße hin offen lassen, so dass sie Teil unseres Schlafzimmers wurde… Die anderen Nachbarn, die ebenfalls Teil unserer Welt waren, machten dasselbe."

Foto: David von Becker
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