Schwellenerfahrungen
Siedle erforscht die Schwelle

„My Home is My Castle“ sei das Gefühl, das Siedle mit seinen Produkten vermitteln möchte, sagt Gabriele Siedle, Geschäftsführerin des traditionsreichen Familienunternehmens. Damit deutet sie die Herausforderung an, der sich eine Firma, die Schwellenelemente herstellt, angesichts der gleichzeitigen Forderung nach umfassender Durchlässigkeit und Sicherheit in unserer Netzwerkgesellschaft stellen muss. In den letzten 150 Jahren hat die Vielzahl und Vielfalt der technischen Aus- und Aufrüstung des Hauses – angefangen bei Wasser- und Stromleitungen über Radio und Fernsehen hin zu Telefon und Internet – neben den traditionellen Türen und Fenstern eine unüberschaubare Zahl an materiellen und immateriellen Schwellen geschaffen.


Dieser Prozess lässt sich anhand der Firmengeschichte von Siedle exemplarisch nachvollziehen: Vom Zulieferbetrieb der Schwarzwälder Uhrenindustrie wandte sich Siedle gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Telegrafie und Telefonie zu, um sich schließlich im 20. Jahrhundert mit der Entwicklung von Tür- und Haussprechanlagen zu etablieren. Heute umfasst die Produktpalette von Siedle die gesamte Gebäudekommunikation: von der Beschilderung über den Briefkasten bis zur Zutrittskontrolle. Zuletzt wurde die Türkommunikation und Zutrittskontrolle an IP-Netzwerke angebunden. Dadurch wird die Schwelle einerseits omnipräsent, andererseits gleichsam ortlos. Jedoch wird auch in Zukunft nicht alles virtuell sein, wie Geschäftsführerin Gabriele Siedle einwendet: „Siedle hat beim Nachdenken über die Zukunft der Schwelle stets die Balance zwischen dem technischen Fortschritt und dem haptischen Produkt, dem Schwellenelement, im Blick. Denn neben der Tendenz zur Virtualisierung gibt es auch den Trend, zu dem zurückzugehen, was man begreifen kann, was mir Sicherheit gibt.“ In dieser Balance steckt wohl auch das Erfolgsgeheimnis der mittelständischen Firma aus dem Schwarzwald, die in einem global hart umkämpften Markt weiterhin auf ihre bewährten Tugenden setzt: Innovationsfreude gepaart mit Beständigkeit, wirtschaftlicher Erfolg gepaart mit sozialem Engagement, für die eigene Belegschaft, für den Standort und für die Gesellschaft insgesamt.

Die Firmenchefin, die in einer typischen Männerdomäne bereits etliche Innovationen eingeleitet hat, arbeitet daran, das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen: „Unsere Perspektive ist nicht nur die Gegensprechanlage im Bereich der Türschwelle.“ Entsprechend hat sich der Unternehmensschwerpunkt von Siedle von der Sprechanlage auf die Gebäudekommunikation verlagert. Es geht Siedle im Grunde um die Entwicklung einer Passage abgestufter Kontrolle und Zugänglichkeit, die „den Prozess der Verlagerung traditioneller Schwellen in ein immer feinmaschigeres Netz technischer Apparate nachvollzieht“, wie Gabriele Siedle sagt.

Gerade weil sich Schwellen immer mehr entmaterialisieren, gewinnt die Gestaltung des technischen Schwellenapparates eine immer größere Bedeutung – in einem ganzheitlichen gestalterischen Ansatz. Folglich setzt Siedle auf hohe ästhetische Maßstäbe und ein gut abgestimmtes Design. In Zeiten, in denen andere Firmen weite Teile der Produktion in Billiglohnländer verlagern, integriert Siedle möglichst viele Teile der Wertschöpfungskette in das eigene Unternehmen. Dies ist nur zu schaffen, weil die Firma hoch effizient arbeitet und alle Produkte aufeinander abgestimmt sind. Als Siedle in den 1980er Jahren das Vario-System auf den Markt brachte, wurde das gesamte Unternehmen umgekrempelt. Gabriele Siedle beschreibt dies im Rückblick als ein gewaltiges Unterfangen. Das modulare Design des Vario-Systems bedingte eine Systemarchitektur, die flexibel genug ist, um unterschiedlichsten Anforderungen zu genügen. Die Vorzüge des Systems liegen in der freien Kombinierbarkeit der Einzelteile und in der Möglichkeit, Elemente spezifisch für besondere Anforderungen weiterzuentwickeln: Systemarchitektur gepaart mit modularer Variation.

So wirkte sich die Designentscheidung auch auf die Produktion aus, die im Sinne eines Systembaukastens rationalisiert wurde. Diese Umstellung vor über 30 Jahren wirkt immer noch nach und ist zu einer der Stärken von Siedle geworden. Hier zeigt sich das Grundprinzip nachhaltigen Wirtschaftens, dem die Firma sich verpflichtet fühlt, von der Unternehmensführung bis zum Design: Eine durchdachte Lösung entwickeln, die jenseits von Moden und Trends Bestand hat. Siedle legt Wert darauf, dass die Produkte formal und qualitativ langlebig sind. Und sollte doch etwas defekt sein, steht fast immer Ersatz zur Verfügung, auch nach Jahrzehnten. Teilweise können neue Haustelefone, die gerade auf den Markt gebracht wurden, auf Geräte aufgesetzt werden, die in den 1950er Jahren verbaut wurden. „Aus alt mach schön“, nennt Gabriele Siedle das. Für sie ist es jedoch nicht nur ein Werbespruch: „Diesen Systemgedanken haben wir sogar in die Leitlinien der Firma aufgenommen.“ Siedle ist offen für technische Innovationen. Das zeigt sich auch beim Steel-System, bei dem Siedle das modulare Prinzip zumindest äußerlich hinter sich lässt. Auch wenn die Linie mit Hilfe modernster Laser- und Stanztechnik kundenspezifisch entworfen und hergestellt wird, so steckt doch technisch gesehen das Vario-System dahinter. Die Variation, die das Vario-System früher über die freie Kombinierbarkeit der Elemente und der Materialwahl ermöglichte, wird jetzt durch ein kundenindividuelles Design ersetzt. Dennoch liegt dem Ganzen ein System zugrunde, das auf einem ästhetischen Raster basiert, welches nur nicht so offensichtlich ist. Damit stößt die Firma in den Bereich der Manufaktur und Mass Customization vor, um stärker auf die Wünsche der Kunden eingehen zu können.

Gabriele Siedle sieht das Unternehmen auch für solche gegenläufigen Strömungen gerüstet. Letztendlich sei es den Menschen egal, welche Technik hinter den Produkten steckte. Das Design gewinne dadurch an Bedeutung und habe eindeutig die Funktion, „ein Gefühl des Komforts und der Sicherheit zu geben, das steht bei Siedle im Vordergrund. Unsere Strategie war es, einfacher zu werden, unsere Produkte müssen den Endanwender so viel wie möglich von der Technologie entlasten“, sagt Frau Siedle. Diese Haltung findet ihren konsequenten Ausdruck in einer einfachen Bedienbarkeit und einem gebrauchsorientierten Design. Darüber hinaus hat sich Siedle auch im Bereich der Smart-Home-Forschung engagiert und an diversen Pilotprojekten beteiligt. Technologie ist für Siedle kein Selbstzweck. Das Traditionsunternehmen sieht in ihr vielmehr das Ergebnis einer langjährigen Auseinandersetzung mit den sich ändernden Lebenswelten ihrer Anwender. Die gründliche Beobachtung menschlicher Rituale – am Eingang sowie im ganzen Gebäude – ist für Siedle eine notwendige Bedingung für die kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Expertise.

Bildunterschrift:
Geschäftsführerin Gabriele Siedle
 Pressebilder zum Download 278 kB
 Pressemitteilung als PDF-Datei 145 kB
© 2017 S. Siedle & Söhne OHG
Drucken
YouTube Google+ Twitter Facebook TOP