09.05.2012
Gabriele Siedle auf dem Podium der Zeppelin-Universität

Bauch oder Kopf, Intuition oder Verstand – was beeinflusst die Entscheidungen von Unternehmern und Führungskräften? Entscheiden inhabergeführte Unternehmen anders als andere? Diese Fragen bildeten den thematischen Rahmen einer Veranstaltung am Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen der Zeppelin-Universität. Auf das Podium der einleitenden Diskussion war Gabriele Siedle geladen. Gemeinsam mit Thomas Bauer, dem Vorstandsvorsitzenden der Bauer AG, vertrat sie die Unternehmerseite. Aus Sicht der Wissenschaft diskutierten Helmut Willke, Professor für Corporate Governance, und Marcel Tyrell, Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmer- und Finanzwissenschaften.

Schnell zeigte sich, dass sich die Trennung von Kopf und Bauch nicht aufrechterhalten lässt. Entscheidungen ausschließlich nach Gefühl zu treffen, wäre verantwortungslos. Intuition kann nur auf der Basis profunden Wissens entscheiden. Dieser Konsens war schnell gefunden, dennoch vertraten die Teilnehmer sehr unterschiedliche Positionen.
Thomas Bauer, Chef eines Konzerns mit 9700 Mitarbeitern, beklagte die Lähmung durch überbordende Bürokratisierung und Regelungsflut. Seine Mitarbeiter seien unter diesem Druck teilweise kaum noch in der Lage, ohne juristischen Beistand Entscheidungen zu treffen. Dem hielt Gabriele Siedle entgegen, dass Mut schon immer dazugehörte. Man solle Entscheidungen nicht nur als Druck sehen. In ihnen liegt die Chance zur Gestaltung, die auch Freude mache. Die wirkliche Schwierigkeit, führte sie weiter aus, sei oft gar nicht die Entscheidung selbst, sondern deren anschließende Durchsetzung und Kommunikation.

Der Politologe Willke belebte die Diskussion mit der provokanten These, dass ohnehin nur maximal fünf Prozent des unternehmerischen Handelns tatsächlich eigenen Entscheidungen unterliegen. Der weit überwiegende Anteil sei fremdbestimmt von vorgegebenen Regeln und Gesetzen. Leicht nachvollziehbar, dass diese Ansicht von den anwesenden Familienunternehmern wenig Zustimmung bekam. Gabriele Siedle jedoch pflichtete Professor Willke bei: „Wir verhalten uns so, wie es der Markt, die Kunden und die Wettbewerber von uns verlangen.“ Was aber auch in dieser Situation von persönlichen Entscheidungen abhänge, sei die Fähigkeit, die Gegebenheiten zu erkennen und zum richtigen Zeitpunkt zu handeln. Das mache nach wie vor den Unternehmer aus, der diese Aufgabe nicht als Last, sondern als seine Berufung empfinden sollte. Könnte man alles in Regeln fassen und von Gremien erledigen lassen, so Frau Siedle, dann würden Unternehmer eigentlich nicht mehr gebraucht.

Diesem Fazit konnten sich alle Teilnehmer an der Diskussion, die sich schnell ins Publikum ausgedehnt hatte, anschließen. Ob nun Ratio oder Intuition Entscheidungen leiten – wichtig ist, dass es Menschen gibt, die sie treffen können und wollen, und dass sie den Freiraum haben, diese Aufgabe zu erfüllen.

Die Podiumsdiskussion bildete den Auftakt des „Familienfrühlings“, zu dem das Institut jährlich Familienunternehmen und Unternehmerfamilien lädt. Mehrere Workshops dienen dem Austausch untereinander, mit Wissenschaftlern, Absolventen und Studenten, die mit viel Eigenleistung zu der Veranstaltung beitragen.

> Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen
> Programm des Familienfrühlings 2012

Fotos: Bertram Rusch/FIF
© 2017 S. Siedle & Söhne OHG
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