Access hat das Labor verlassen
Ein Gespräch mit der Doppelspitze des Siedle-Projektgeschäfts über Stand und Potenzial des IP-Systems Siedle Access, geführt im Sommer 2011.
Auf der light + building 2010 wurde Siedle Access erstmals präsentiert. Wo steht die Entwicklung jetzt, wenige Monate vor der Markteinführung?

Jürgen Eschle
(Bild oben): Wir sind da, wo wir sein wollten. Die Hardware ist fertig, das System ist lauffähig, und es hat ein Gesicht bekommen: Die Bedienoberflächen arbeiten im endgültigen Layout. Seit Juni begleiten wir die Implementierung in ausgewählten Pilotprojekten, um Praxiserfahrung zu sammeln. Bei uns in Furtwangen läuft parallel ein Feldtest unter Realbedingungen. Siedle Access hat das Labor verlassen.

Fred Penzin: Das gilt auch für den Vertrieb. Wir haben schon erste Aufträge mit Access gewonnen – nicht als Pilotprojekte, sondern im harten Wettbewerb.

Sie erhalten schon vor der Markteinführung Anfragen?

Fred Penzin: Jeden Tag. Wir haben bis zum Sommer schon mehrere hundert Angebote abgegeben.

Wie erklären Sie sich dieses Interesse?

Fred Penzin: Viele Kunden vertrauen darauf, dass unser IP-System dem Qualitätsmaßstab gerecht wird, den sie von Siedle gewohnt sind. Wir bekommen also Vorschusslorbeeren, aber wir spüren auch, dass Access einfach ein stimmiges Produkt ist. Das System ist offen und skalierbar, es passt zu vielen Anforderungen. Designqualität und Gestaltungsvielfalt sind einzigartig. Das serverbasierte Prinzip und der Funktionsumfang überzeugen, und nicht zuletzt ist Access preislich gut positioniert.

Ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Neuentwicklung Preisvorteile bietet?

Jürgen Eschle: Die Systemvorteile machen sich bemerkbar. Größere Standardisierung, weniger Gerätevielfalt, weniger Sonderentwicklungen, stark vereinfachte Angebote und Planungen – das alles geht in die Kalkulation ein, ebenso die höheren Absatzerwartungen gegenüber dem System Siedle-Multi, mit dem wir bisher vergleichbare Anforderungen abgedeckt haben. Bei Video-Anlagen liegen wir mit Access im Schnitt rund 20 Prozent unter einem vergleichbaren Multi-Angebot.

Fred Penzin: Noch beeindruckender ist ein Vergleich der Planungszeiten: Ein mittelgroßes Bürogebäude benötigt mit Siedle Multi etwa sechs bis sieben Stunden Planungszeit, mit Access nur noch eine.

Wie ist das möglich?

Jürgen Eschle: Dank der Offenheit des Systems brauchen wir nicht jedes Detail im voraus zu berücksichtigen. Das verringert den Aufwand in der Initialphase enorm. Wir müssen dem Kunden nicht mehr jeden Wunsch aus der Nase ziehen, weil Änderungen auch später problemlos möglich sind. Das ist wie im Stromnetz: Um es zu planen, braucht der Elektriker nicht genau zu wissen, welche Verbraucher später angeschlossen werden. Er stellt das Netz und die Schnittstellen, die Steckdosen, zur Verfügung. Der Nutzer steckt ein, was er braucht.

Fred Penzin: Ein Beispiel: Audio oder Video spielt für die Planung mit Access keine Rolle. Leitungen, Anschlusstechnik und Geräte sind die gleichen. Der Kunde bekommt ein videotaugliches Audiosystem und kann die Bildübertragung einfach durch den Kauf einer Lizenz freischalten, auch nachträglich. Beim konventionellen System dagegen muss die Entscheidung ganz am Anfang fallen, und jede spätere Änderung verursacht hohen Aufwand. Bei uns, aber auch beim Kunden.

Erhalten Sie vor allem Anfragen für Großprojekte?

Jürgen Eschle: Ja. Vor allem aus dem Ausland erreichen uns Anfragen mit Dimensionen, die wir nicht kannten, beispielsweise für eine Tankstellenkette mit Standortvernetzung. Solche Angebote hätten wir ohne Access gar nicht abgeben können. Das IP-System eröffnet neue Marktpotenziale – dafür haben wir es konzipiert.

Fred Penzin: Andererseits sind wir überrascht über die vielen hochwertigen Einfamilienhäuser, für die Access angefragt wird. Die Planer sehen im High-End-Sektor großes Potenzial für IP. Sie sind sehr technikaffin, wollen die Integration mit Gebäudemanagement und Mediensteuerung ausreizen und möglichst alles mit allem verbinden. Zugleich haben sie – oder ihre Bauherren – hohe Erwartungen an das Design, an hochwertige Materialien, perfekte Verarbeitung und einfache Bedienung. Ein Anforderungsprofil, für das wir mit Access sehr gut aufgestellt sind. Die Kunden haben von Anfang an die fast unbeschränkte Wahl aus allen Designlinien, Materialien und Oberflächen bis hin zum Individualdesign, und zwar bei Tür- und bei Innenstationen.

Jürgen Eschle: Bei der Vernetzung hilft uns die Anbindung an KNX, eines der verbreitetsten Automatisierungssysteme. Sie ist in Access integriert, der Kunde kann sie jederzeit mit einer Lizenz aktivieren. Genauso ist das System vorbereitet für die Verbindung mit einer TK-Anlage.

Ist die totale Vernetzung nicht auch ein Risiko? Wie steht es um die Sicherheit von Immobilien, die meist im oberen Marktsegment angesiedelt sind?

Fred Penzin: Solche Objekte sind in der Tat gut gesichert. Wir tragen dem Rechnung, indem wir Türstationen über einen Controller anbinden. Es gibt also schon physisch keine Möglichkeit, von außen an das Netzwerk heranzukommen. Dieses Konzept kommt gut an. Nebenbei fällt dabei eine Reichweitenbeschränkung: Zwischen Netzwerk-Switch und Dose dürfen maximal 100 Meter liegen. Mit Access sind zwischen Tür und Controller bis zu 200 Meter möglich. Dieser vermeintlich kleine Unterschied hat im Wettbewerb schon sehr zu unseren Gunsten gewirkt.

Ist Access das Siedle-System der Zukunft?

Jürgen Eschle: So kann man das nicht sagen. Siedle Access ist ein mächtiges System für besondere, meist sehr komplexe Anforderungen. Für andere Vorhaben wäre es überdimensioniert. Dann ist eine herkömmliche Bus-Installation die wirtschaftlichere Alternative, bei Bedarf ergänzt um Siedle DoorCom als Schnittstelle ins Netzwerk. Wir glauben aber, dass der Bereich, in dem Access seine Stärken ausspielt, weiter wächst, vor allem im Projektgeschäft. Dort gehört dem IP-basierten, offenen und flexiblen System zweifellos die Zukunft.

Bilder: Jürgen Eschle (oben) leitet das Engineering und war an der Systementwicklung beteiligt. Fred Penzin (Mitte) leitet den Projektvertrieb. Die Concierge-Software (unten) verdeutlicht das durchgängige Design- und Bedienkonzept aller Access-Komponenten. Das Screendesign legt Wert auf klare Strukturierung und einfache Bedienung.
© 2017 S. Siedle & Söhne OHG
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